#2 Time of Change = Time of Chance

Ich bin fasziniert. Wir erleben derzeit den größten Einschnitt in die persönliche Handlungsfreiheit und dennoch beobachte ich eine neue Qualität des Zusammenlebens. Bei einem dringenden Arztbesuch begann ich auf der Gasse mit einer wildfremden Person zu plaudern, die sichtlich angestrengte Arzt-Assistentin schüttete mir unmittelbar danach ihr Herz aus und abends bekomme ich Anrufe und Nachrichten von Menschen, die ich schon lange nicht gesehen habe. Luxus und Mode ist mir derzeit unwichtig, ich habe nicht einmal Lust auf online-shopping oder besondere Lebensmittel – stattdessen freue ich mich über österreichische Lieder im Radio (danke Ö3!), kaufe Äpfel aus der Steiermark und trinke online Kaffee mit meinen Kollegen.

Das gemeinsame Schicksal verbindet, lässt uns aufeinander zugehen und reduziert aufs Wesentliche. Interessanterweise sind das alles Qualitäten, die man in Change Projekten gut brauchen kann. Oft werden wir dorthin gerufen, wo es Barrieren zwischen Hierarchie-Ebenen oder Abteilungen gibt – und was tun wir dann? Wir „zwingen“ jene Menschen, die aus diesen unterschiedlichen Bereichen sind, zu wiederholten Auszeiten (genannt Workshops) und bilden eine künstliche Schicksalsgemeinschaft auf Zeit. Dann sitzt die schicke Dame aus der Marketing-Abteilung neben dem g’standenen Meister aus der Produktion und dem Controller aus dem Top-Management und sie „müssen“ sich gemeinsam mit einem bestimmten Thema beschäftigen bzw. ihr kollektives Wissen dazu in eine Schale werfen … und plötzlich das Wunder: Nähe entsteht, Emotionen, durchaus auch Widerstand, doch am Ende auch immer ein außergewöhnliches Ergebnis, das vorher niemand für möglich gehalten hätte!

Vielleicht ist diese ganze Situation ja für uns alle auch eine Chance. Dieses Ambiente, in denen die Menschen wertfrei aufeinander zugehen, liegt mir jedenfalls sehr. Denn – um auf meine Frage nach dem persönlichen ICH aus dem letzten Blog zurückzukommen: Ich liebe es und ich übe jeden Tag, andere Menschen so sein zu lassen wie sie sind. Ich mag es beruflich und privat, Leute zusammenzubringen, neue Blickwinkel aufzumachen, die individuelle Größe der Menschen sichtbar werden zu lassen und ihnen zu vermitteln, dass gemeinsam immer mehr geht als allein. Das erfüllt mich und ist aus meiner Sicht auch der Schlüssel für den nachhaltigen Erfolg in Unternehmen und vielleicht auch in der Gesellschaft.

Meine heutige Empfehlung ist daher: Nutzen wir die aktuelle Zeit für eine neue Qualität der Zusammenarbeit und Kommunikation! Echtes Zuhören, neugierig sein auf den Gesprächpartner und freundliche Formulierung der persönlichen Anliegen sind in den online talks ohnehin noch wichtiger als sonst! Und ich weiß: es wird immer Menschen geben, die diese Einstellung nicht teilen können und kein konstruktives Gespräch führen können (ich hatte unlängst so ein Telefonat… oh Gott, alle meine Kommunikationskünste haben versagt!). Doch es ist eine gute Zeit, um diese freundliche Haltung zu üben!

Ich wünsche dir viel Freude und Überraschungen dabei!

Herzliche Grüße und xund bleiben!

Mira

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

#1 Ausgebremst & fokussiert

Ich bin ein Mensch mit großer Energie und Begeisterungsfähigkeit, liebe meine Arbeit, bin kreativ und bewege mich gerne. Und ich kenne viele Menschen in der Wirtschaft, die das teilen – Führungskräfte wollen in der Regel etwas bewegen und wirksam sein. Doch jetzt: Corona! Zuhause bleiben! Zurückschalten!

OK. Ich verstehe die Maßnahmen, fühle mit allen Betroffenen und bin jenen dankbar, die das System aufrechterhalten. Doch abgesehen davon fühle ich mich schrecklich ausgebremst und weiß nicht so recht, wohin mit meinen unternehmerischen Ideen und meiner Energie, die oft eine ganze Schar von Mitarbeitern in einer Organisation in Bewegung bringt. Fürs erste tauge ich als Hilfslehrerin, Aufgaben-Managerin und Köchin für meine Söhne in der Home School sowie als Sauberfrau, Wohndesignerin und Aus-dem-Fenster-Schauerin – doch mittelfristig reicht mir das nicht.

Logische Konsequenz – ich aktiviere endlich den Blog meiner Website. Damit möchte ich mich mit meiner Change Kompetenz und fast fünfzig Jahren Lebenserfahrung in dieser absoluten Ausnahmesituation möglichst vielen Menschen nützlich machen. Und hier ist mein erster Tipp: Zunächst verdaue den Schock und akzeptiere den Widerstand gegen diese Situation so gut es geht. Sei geduldig mit dir selbst und jenen, die du nun tagtäglich 24h um dich hast und sorge für dich mit gutem Essen, etwas Sport und guten Gedanken.

Und dann rate ich mir selbst und euch das gleiche, was ich meinen Auftraggebern zu Beginn eines Veränderungsprojektes empfehle: Machen wir eine Standortbestimmung mit Fragen wie:
Wo stehe ich in meinem Leben oder in meiner Karriere?
Wofür möchte ich diesen erzwungenen Rückzug nutzen?
Mit wem möchte ich mich jetzt vernetzen?
Welche Impulse habe ich, wenn ich ganz bei mir bin?

Auf die Intuition zu vertrauen ist aus meiner Sicht etwas sträflich Vernachlässigtes in unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Die meisten Entscheidungen müssen mit Analysen oder mindestens mit Zahlen, Daten und Fakten bewiesen werden und der Hausverstand oder das Bauchgefühl werden links liegen gelassen. Der Kopf der Mitarbeiter ist mit solchen Entscheidungen dann zufrieden, doch das Herz und die echte Motivation der Menschen wir meist durch sehr spontane und emotionale Entscheidungen gewonnen.

So ist es auch bei uns. Wenn wir wieder lernen, uns zuzuhören, werden wir auch in Krisensituationen rascher und sicherer einer Lösung näher kommen. Also, du bist ohnehin gezwungen, zu Hause und damit „in deiner Nähe“ zu sein. Beginne zuzuhören: Worum geht es in deinem Teil dieser globalen Veränderung? Wer bist du, wenn du ganz bei dir bist ohne dem ganzen Alltagswahnsinn?

Ich wünsche dir viel Erfolg und Ehrlichkeit bei deiner Standortbestimmung und freue mich über Kommentare und Nachrichten dazu. In ein paar Tagen melde ich mich wieder mit dem nächsten Blog und vielleicht auch mit der einen oder anderen Antwort auf die Fragen …

Herzlichen Gruß aus einer Wiener Wohnung in die Welt von

Mira