#9 Was tun, wenn das Mobile schief hängt?

Meine Söhne hatten als kleine Kinder bunte Mobiles über dem Bett hängen und ich kann mich noch an die Faszination in ihren Augen erinnern, wenn das Mobile aus dem Gleichgewicht gebracht wurde. Diese Faszination scheint sich bei Erwachsenen in Grenzen zu halten. Denn immer, wenn ein System – sprich ein Organisationssystem, Familiensystem oder gar ein ganzes Wirtschaftssystem – durch eine Veränderung oder Krise aus dem Gleichgewicht gebracht wird, stöhnen die Menschen unter der Last der Turbulenzen. So wie viele von uns jetzt auch. Das wirtschaftliche Mobile ist weltweit kräftig gestört worden, manche Schnüre wie z.B. jene der Automobilindustrie hängen schlaff herunter, andere Schnüre wie die Pflegeberufe erfahren zumindest punkto Wertschätzung Aufwind und Betriebe wie Hersteller von Masken und Schutzanzügen erfahren einen regelrechten Boom.

Das Mobile ist das Lieblingsmodell von meinem Kollegen Peter Jaksch und gemeinsam verwenden wir es sehr gerne, um zu erklären, was in einem Change Projekt passiert. Er sagt dann zum Kunden: „Wenn man an einer Stelle am Mobile zupft, wackelt das ganze Ding.“ Die Anlässe für eine Beratung sind oft sehr fokussiert auf einen Bereich wie z.B. Verbesserung der Qualität in der Produktion. Doch in Wahrheit verschiebt sich durch Interventionen in einem Bereich der Organisation oft das gesamte Gefüge – Verantwortlichkeiten werden durcheinandergewirbelt, die Arbeitslast ist plötzlich ungleich verteilt und die Angst vor Veränderung lähmt an so manchen Stellen die Motivation.

Was ist also zu tun, damit das Mobile in ein neues Gleichgewicht kommt? Das Wichtigste ist jetzt, dass Verständnis für die unterschiedlichen Positionen im Mobile entsteht und die durch die Veränderung entstandenen „Schmerzen“ der verschiedenen Beteiligten wahrgenommen und anerkannt werden. Hier hilft uns die Einstellung eines Archäologen: Der Archäologe bewertet keine Position als gut oder schlecht, sondern hört zu, nimmt wahr und fragt nach, um zu verstehen. Denn mein eigener Lieblingssatz in einem Change Projekt lautet: „Man kann immer nur von dort weggehen, wo man tatsächlich ist.“ Solange man sich in einer Illusion befindet und meint, dass man nur ein wenig an einer einzelnen Schnur im Mobile herumbasteln muss und alles ist wieder gut, der wird wenig später mit einem windschiefen Gebilde zu kämpfen haben, wo alle Schnüre gleichzeitig bearbeitet werden sollten.

In einer Veränderung gehen wir daher gerne schrittweise vor – dort starten, wo die größte Veränderungsenergie spürbar ist und immer wieder innehalten und herausfinden, welche Auswirkungen diese ersten Schritte haben und wie es den Menschen damit geht. Dann die nächste Intervention und wieder innehalten … usw. Bei diesen Zwischenstopps ist es hilfreich, immer auf verschiedene Ebenen zu schauen:

  • Was ist inhaltlich weitergegangen?
  • Wie haben sich die Beziehungen verändern? Gibt es etwas zu klären?
  • Welche Strukturen brauchen wir, dass eine Weiterentwicklung möglich ist?

Peter erzählt noch ein schönes Zitat von einer potentiellen Kundin: „Die Digitalisierung hat im Moment oberste Priorität – für die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit haben wir da keine Zeit.“ Die Digitalisierung wäre dann also eine ordentliche Last an einem Punkt des Mobiles und möglicherweise wäre es sinnvoll, gleichzeitig auch den Zipfel “Kultur der Zusammenarbeit” in Angriff zu nehmen, sonst kippt das ganze Gefüge …

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Erfolg mit der Gestaltung Ihrer ganz persönlichen Systeme und senden einen herzlichen Gruß,

Mira Meiler

 

Foto: Thomas Egger

#8 Rechthabenwollen bringt uns um, Lieben weiter

In vielen Beziehungen, aber auch in der Wirtschaft und in unserer Gesellschaft wird sehr oft der Fokus auf das Trennende gelegt, auf die Unterschiede und vermeintlichen Fehler von anderen Menschen. Irgendeiner muss ja Recht haben, oder? Besonders in einer Krise – in der wir ja immer noch sind oder die wirtschaftlich gerade erst beginnt – tut so eine Haltung weh. Da wird gesprochen von „die Anderen“, „die Depperten“ oder „die da oben“ … Solche Begriffe führen immer zu Widerstand,  Anspannung und Blockaden. Wer geht schon gerne in die Arbeit, wenn zwischen den Abteilungen tiefe Gräben liegen? Wer kommt gerne nach Hause, wenn in der Familie Mauern aus Meinungen und Rechthabenwollen aufgezogen wurden? Wer fühlt sich wohl in einem Umfeld des Dagegenseins?

Manchmal scheint es einfach nur Gewohnheit zu sein, mehr auf Unterschiede zu schauen, als auf die gemeinsamen Potentiale für die Zukunft. Doch jedes Team und jede Organisation wird jetzt und in Zukunft effizienter arbeiten, wenn sie eine leidenschaftliche gemeinsame Ausrichtung haben. Jeder Mensch wird zufriedener sein, wenn er weiß, was ihm wichtig ist und wie und mit welchen Menschen er dies am besten umsetzen kann. In Change Projekten erlebe ich immer wieder das Wunder, wenn ein Team von Leuten aus ganz unterschiedlichen Bereichen und Hierarchien sich zusammenraufen und etwas auf die Beine stellen, was vorher niemand für möglich hielt. Andersartigkeit braucht einen dann nicht mehr zu stören, im Gegenteil. Wenn zwei Menschen, Teams oder Organisationen auf die Suche nach dem Verbindenden gehen, entsteht ein „Sog“ in eine positive verbindliche Zukunft.

In Unternehmen sind es natürlich die Führungskräfte, die Visionen mit Leben füllen und in klare Ziele umwandeln sollen. Tun sie das nicht, entsteht ein Vakuum an Entscheidungen, das sehr gerne von einzelnen Personen für den eigenen Vorteil genutzt wird. Mitarbeiter (und im übrigen auch Bürger eines Landes) sind offensichtlich froh über eine klare Ansage, auch wenn sie inhaltlich nicht immer überzeugend ist. Doch Dagegen sein hilft auch hier nichts … eher die Frage, was jeder und jede Einzelne dennoch beitragen kann, um zu einem besseren Miteinander zu gelangen. Und da habe ich im Moment nur eine Antwort parat: Lieben!

  1. Lieben, was ist – es gibt nämlich keine andere Ausgangsbasis als das Jetzt
  2. Sich selbst lieben – den eigenen Beitrag zur Situation erkennen und sich allenfalls für eine Veränderung entscheiden
  3. Die anderen lieben im Sinne von akzeptieren und respektieren und beginnen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen

Das ist nicht einfach, doch einen Versuch wert. Überall und Immer. Und immer wieder. Und noch einmal. Und irgendwann wird es vielleicht deutlich, dass nicht im Rechthaben, sondern im Lieben die Zukunft liegt …

Ich wünsche euch einen schönen Tag!

Mira

#7 Lustangst und der erste Schritt ins Neue

Sollten Sie in all dem Veränderungschaos gerade nicht wissen, wohin Sie sich orientieren sollen – dann verwenden Sie die Lustangst als Kompass! Lustangst? Das ist das, was Ihnen schreckliche Angst macht und worauf Sie gleichzeitig unerhörte Lust haben. Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch diesen Kompass eingebaut hat. Es ist dieses fast unerklärliche Gefühl, wo man etwas machen möchte, was sehr schwierig, sehr aufregend und eigentlich unmöglich ist – definitiv etwas, das außerhalb der eigenen Komfortzone liegt. Doch man will es und zwar zumindest so dringend, dass ein erster Schritt möglich ist.

Mich hat es z.B. vor vielen Jahren recht plötzlich in die Berge gezogen. Ich wollte richtig bergsteigen gehen und gleichzeitig hatte ich große Angst vor allen Bergen, die über 1000 hoch sind – also auch vor den Wiener Hausbergen! Ich hatte keine Ahnung von Ausrüstung, Wegen und v.a. ob meine Angst überhaupt berechtigt ist. Um einen ersten Schritt zu machen, trat ich dem Alpenverein bei und schloss mich einer geführten Tour auf den Schneeberg an. Ich fand mich mit meinen damals 25 Jahren mit ein paar Senioren und Konditionsschwachen in der Gruppe wieder um erste Bergerfahrungen zu machen. Irgendwie war es mir peinlich und dennoch war ich nach der ersten Tour im Schneckentempo sehr stolz auf mich! In weiterer Folge entdeckte ich die Berge als absolute Kraftquelle für mich, wo ich mich auch in turbulenten Zeiten zentrieren kann und angesichts eines schönen Berges kann ich perfekte Entscheidungen treffen. Mittlerweile hab ich sicher über 1000 Bergtouren in den Alpen hinter mir und einige Touren im Ausland wie den Pyräneen-Weiterwanderweg, die Überschreitung des Ruwenzori-Gebirges in Uganda oder der Cordillera Blanca in Peru.

Bei Menschen in Organisationen beobachte ich oft, dass sie die Tendenz haben, sich sehr große erste Schritte vorzunehmen und dann sehr lange warten, bis sie sie tun. Denn die Angst vor dem Scheitern ist zu groß und es steht einfach zu viel auf dem Spiel. Wenn ich z.B. eine bisher klassisch geführte Abteilung agiler – d.h. mit flexibleren und rascheren Reaktionsmöglichkeiten – aufstellen möchte, wäre die Einführung von einer neuen, agilen Struktur von einem Tag auf den anderen vermutlich ein sehr großer Schritt. Die Menschen wären überfordert, weil sie die neue Art zu Arbeiten noch nicht kennen oder können. Stattdessen könnte man dort starten, wo Lust ist, etwas neues auszuprobieren und doch ein gewisser Respekt vor den Konsequenzen – also z.B. für ein kleines, aber dennoch wichtiges Projekt ein paar experimentierfreudige Personen zusammentrommeln und die agilen Methoden dort spielerisch, aber konsequent umsetzen.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Welche Lustangst haben Sie? Jetzt, in dieser immer noch außergewöhnlichen Situation rund um COVID-19 einen neuen Job suchen? Einer Kollegin endlich einmal Grenzen setzen? Mehr Sport machen, um das Immunsystem zu stärken? Eine Firma gründen? Dem Partner einen Heiratsantrag unterbreiten? Für jedes Thema, das mit Lustangst verbunden ist, gibt es 1000 Gründe dagegen. Und mindestens einen dafür: Ich hab‘s probiert. Im Laufe der Zeit habe ich herausgefunden, dass mit jeder Lustangst ein Potential in einem schreit, das genutzt werden möchte.

Doch Achtung – der erste Schritt muss nahe genug an den aktuellen Gewohnheiten sein, aber auch deutlich genug in die gewünschte Richtung der Veränderung gehen. Wenn ich damals gleich alleine mit schlechter Ausrüstung auf den Berg gelaufen wäre, hätte ich vielleicht sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Der erste Schritt mit geführten Seniorentouren war nahe genug, um mich sicher zu fühlen und ging hoch genug hinaus – nämlich bis auf den Gipfel des Berges – um das Freiheitsgefühl zu spüren, wonach ich mich gesehnt hatte.

Ich bin schon weit herum gekommen in meinem Leben mit diesem Kompass und wünsche auch Ihnen viel Spaß auf diesem lustvollen und aufregenden Weg!

Herzliche Grüße,

Mira Meiler

#6 Wie Ameisen aus der Krise schwimmen

Haben Sie schon einmal von den Fähigkeiten der roten Ameisen im brasilianischen Regenwald gehört? Wenn eine Überschwemmung droht, schließen sich die Ameisen zu einem Floß zusammen und schwimmen so lange auf dem Fluss, bis sie wieder festen Boden betreten können. Wie genial ist das! Solche Beispiele gibt es viele in der Natur und ich bin fest davon überzeugt, dass wir Menschen viel mehr können, als wir glauben. Ok, das Kunststück der Ameisen ist vielleicht nicht so leicht nachzuturnen. Doch wenn es gelingt, unsere persönliche Sichtweise ein wenig auszuweiten auf die Sicht des jeweiligen Gesamtsystems – dann ist gemeinsam mit anderen Menschen sehr viel möglich!

Durch die vielen technischen Errungenschaften haben wir paradoxerweise verlernt, auf diese natürlichen Instinkte zu hören. Jetzt, wo uns die Technik vieles abnimmt, sollen wir wieder menschlich (oder tierisch) und mit Hausverstand mit Veränderung umgehen. Genau das scheint manchmal meine Aufgabe in Change Projekten zu sein: Die Menschen daran erinnern, dass sie jenseits von Business Zielen, Compliance Richtlinien und diversen Dos and Don’ts jederzeit zu sich selbst, ihrer Intuition und ihrem Erfahrungswissen zurückkehren und ganz pragmatisch etwas Neues ausprobieren können – wie die Ameisen!

Die Herausforderung ist, dass wir für richtungsweisenden Wandel immer den ganzen Menschen brauchen und nicht nur den Teil, der im Stellenprofil definiert ist. Den Menschen mit Haut und Haar, mit all seinen Ressourcen und Ängsten, Erfolgen und Niederlagen, mit all seinen Begabungen und Träumen. Jede Art von Trennung zwischen privaten und beruflichen Erfahrungen mit Veränderung wird unwichtig, wenn Menschen gemeinsam eine große Veränderung schaffen wollen.

Und da stehen wir gerade. Jeder muss sich vielleicht im Moment die Frage stellen, wie sehr er oder sie sich tatsächlich auf etwas Neuartiges einlässt. Wie tief sind wir bereit, in unserer Lebensgeschichte zu schürfen und genau jetzt etwas mit anderen auf die Beine zu stellen, was uns zu 100% entspricht? Welche meiner Talente müsste ich dafür zur Verfügung stellen? Was müsste ich tun und was endlich bleiben lassen? Selbst wenn wir „nur“ wieder dort anknüpfen wollten, wo wir vorher waren, werden wir sehr kreative Lösungen, enormes gemeinsames Engagement und das volle Herzblut von allen Mitarbeitenden brauchen.

Ich muss zugeben, dass ich es im Moment selbst nicht einfach finde, mich voll und ganz auf etwas Neues einzulassen, weil noch so vieles unklar ist! Wir sind genau in dieser unbequemen Phase des Wandels, wo das Alte schon verschwindet und das Neue noch nicht da ist. Mein Bedürfnis ist jetzt, sehr genau hinzuschauen, was in mir und rund um mich passiert, welche Meinungen und Trends sich verdichten, welche Menschen auf mich zukommen und welche Personen mir vielleicht nach vielen Jahren wieder „zufallen“. Und eines steht schon fest: Das Schreiben wird in Zukunft ein fixer Bestandteil meines Business werden und mit etwas Glück wird im Herbst mein erstes Buch „I love change“ erscheinen …

Viel Spaß bei Ihrem persönlichen Wandel wünscht

Mira Meiler

 

Foto: pixabay

#5 Picasso und die Planung des Unplanbaren

Gestern habe ich mich beim Wunsch ertappt, dass alles wieder “normal” sein soll. Nicht, dass ich jemals normale Arbeitszeiten hätte – als selbständige Beraterin ist alles möglich zwischen Freizeit während der Woche bis zu Tagesarbeitszeiten von 06:00-23.00 Uhr, je nach aktuellen Erfordernissen. Eigentlich ist es geradezu skurril, dass sich eine leidenschaftliche Change Managerin nach Normalität sehnt. Und dennoch: In der Regel weiß ich zumindest, wann ich meine Kunden wiedersehe, welche Anliegen sie haben und wie ich mich selbst und mein Patchwork-Umfeld organisieren muss, dass alles gut läuft. 

Ich denke an meine Zeit als Künstlerin. Ein Bild von mir war prinzipiell unplanbar, denn ich wusste oft bis zum Schluss nicht, welches Motiv sich auf der obersten Farbschicht zeigen wollte. Bis dorthin waren es oft Monate, wo sich Schicht um Schicht auftürmte und wunderbare und komplexe Strukturen entstanden. Das Motiv kam erst zum Schluss und manchmal völlig unerwartet: Ein Besucher im Atelier ging vorbei an einem abstrakten, halbfertigen Werk und sagte: Da ist ja ein Hummer drin! Und plötzlich sah ich ihn auch und arbeitete ihn heraus mit der schönsten Hummerfarbe, die meine Farbmischkünste hergaben. Schwups, war das Bild fertig und auch schon verkauft!

Doch wie plant man so etwas? Eine Zeit lang gestaltete ich auch Auftragswerke und da war ich in gewisser Weise gezwungen, das Unplanbare zu planen: Ich hörte zunächst die Anliegen des Kunden für die gewünschte Ausstrahlung des Werkes, wo es hängen soll und wer es sehen wird und langsam entstanden schemenhafte Bilder in meinem Kopf. Aber was noch wichtiger war: Irgendwann entstand ein Gefühl für das erwünschte Endergebnis und das war der Schlüssel. Denn nun konnte ich einfach starten, Schicht um Schicht, Farbe um Farbe, Pinselstrich um Pinselstrich und auch wenn ich das Bild zwischendurch wirklich hässlich fand, konnte ich sicher sein, dass das Ende gut wird, denn mein Gefühl arbeitete in jedem Arbeitsschritt mit. (Ich musste meine Auftragsbilder übrigens nie nachbessern – also scheint das Gefühl kein schlechter Kompass zu sein!)

Ganz allgemein habe ich die Erfahrung gemacht, dass wir unsere Träume und Visionen im privaten und beruflichen Bereich umso besser erreichen können, wenn wir im Vorhinein bereits fühlen können, wie es sein wird, wenn der Traum oder die Vision erfüllt ist. Sie können das zunächst über die Vorstellungskraft erreichen, mit der Sie sich in die Zukunft „beamen“ und mal gucken, wie es sich dort so anfühlt. Ich wage sogar zu behaupten – solange es Ihnen nicht gelingt, zu spüren, wie es sich dort anfühlt, können ihre Träume auch schwer erreicht werden. Doch zurück in unsere aktuelle Situation: Was halten Sie von einem gedanklichen Ausflug in die Zeit nach Corona, z.B. mit folgender Frage: 

Angenommen, die Krise ist Geschichte und mein Unternehmen läuft wieder gut …

  • Was ist jetzt anders als vorher?
  • Wie fühlt es sich an, es gemeinsam durch diese fordernde Zeit geschafft zu haben?
  • Was macht Sie jetzt richtig stolz?

Wer sich noch mehr Zeit für Reflexion der aktuellen Situation nehmen möchte, findet hier den vollständigen Selbstcheck in Zeiten von Corona, den ich im letzten Blog bereits angeboten habe. Gerne stehe ich auch wieder für ein Telefonat zur Verfügung, um die Fragen gemeinsam durchzugehen.

Ach ja, und Picasso sagte einmal: “Wenn die Muse dich küsst, soll sie gutes Handwerk vorfinden.” Gehen wir also an die Arbeit, tun wir das, was wir ohnehin gut können und forschen wir, was uns noch fehlt zur Exzellenz. In der Zwischenzeit wird uns die Muse in die richtige Richtung leiten … 

Alles Gute dafür und bleibt’s gesund!

Mira

#4 Ungeschminkt durch die Krise

Die High Heels stehen im Kasten, die Schminke bleibt unbenutzt und mein Mann kommt aus seiner Engelbert Strauss Hose gar nicht mehr heraus (passt übrigens hervorragend zum Sakko für die Video Konferenz!). Genau jetzt laufen wir im Home Office alle so herum, wie wir sind – welch großartige Gelegenheit, sich anzusehen, WER wir eigentlich sind! Was bleibt den übrig von uns, wenn wir den Jahrmarkt der Eitelkeiten verlassen und unsere beruflichen Rollen sich auf kleine Ausschnitte im Kontakt mit den Kollegen reduzieren?

In der Krise zeigt sich jeder ungeschminkt – das ist manchmal irritierend, weil man Menschen von einer ganz neuen Seite kennenlernt. Manche werden vielleicht aggressiv oder zögerlich, von anderen Leuten ist man positiv überrascht, weil sie genau dann, wenn alle anderen die Nerven wegschmeißen, in Ruhe ihre Arbeit machen und noch zusätzliche Verantwortung übernehmen. Wie praktisch! Sehen Sie jetzt genau hin, wer Ihre wahren Gefährten sind und wer sich still und heimlich an die Wand drückt, um ja im Chaos übersehen zu werden – aus Angst, mit all seiner oder ihrer Unsicherheit sichtbar zu werden.

Doch noch viel wichtiger als andere abzuchecken ist jetzt, sich selbst abzuchecken. Und das geht eben nicht in High Heels oder Sakko, sondern nur ungeschminkt und wenn man so will “nackt”, ganz und gar ehrlich. Also, was macht Sie jetzt gerade aus? Wie reagieren Sie in der Krise? Was sind Ihre größten Ängste und was sind hilfreichen Gewohnheiten? Ich selbst bin z.B. im Moment meistens entspannt und manchmal sehr aufgeregt, wenn mir die Panikmacher und Schwarzmaler wieder einmal zu viel werden. Ich nutze die Zeit, um an meinem Buch “I love change” zu schreiben. Meine Yoga- und Lauf-Routine unterstützen mich dabei, gelassen und konsequent an der Arbeit zu bleiben. Manchmal sekiert mich auch mein unbändiger Gestaltungswille, der am liebsten sofort allen Unternehmen beim aktuellen Change beistehen möchte.

Denn im Prinzip stehen auch die Organisationen gerade ziemlich ungeschminkt da. Jetzt offenbaren sich unbarmherzig die Schwächen eines Systems wie etwa unsaubere Schnittstellen, Fehlbesetzungen oder unsichere Führungskräfte. Andererseits erleben viele Menschen in dieser Zeit, wie reibungslos und effizient manche Dinge laufen, wenn der Hut brennt und die Video Konferenz zeitlich beschränkt ist (im Vergleich zu endlosen persönlichen  Meetings ohne Agenda und mit viel Tratsch geschmückt). Es wird improvisiert, quergedacht, umstrukturiert und nicht zuletzt lernen wir einander neu kennen durch den doch sehr persönlichen Hintergrund im Home Office. Auch für Organisationen ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um kurz innezuhalten und einen Blick auf die drei Bereich Strategie, Struktur und Kultur zu riskieren um eventuell notwendige Kurskorrekturen rechtzeitig einzuleiten.

Genau dazu habe ich Ihnen heute ein kleines Geschenk mitgebracht: Den Corona Selbst-Check. Schreiben Sie mir einfach ein Email und ich sende Ihnen einen Fragebogen mit ausgewählten Fragen einer erfahrenen Beraterin zu, der Ihnen helfen wird, in Zeiten von Corona einen guten Überblick über den Status quo in Ihrer Organisation zu bekommen und mehr Sicherheit für die Zeit danach. Gerne stehe ich auch für ein kurzes Telefonat zur Verfügung, um die Fragen gemeinsam durchzugehen. Dadurch entstehen Ihnen keinerlei Kosten!

Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme oder Feedback per Email.

Herzliche Grüße und xund bleiben!

Mira Meiler

#3 Mit Hirn, Herz und Ei durch den Change

Dies ist das Kochrezept für eine gelungene Veränderung. Zumindest ein paar Zutaten dafür! Verändern müssen wir uns gerade alle – ob wir wollen oder nicht. Ich selbst muss beispielsweise meine Technik-Aversion überwinden und online-Formate für meine Kunden entwickeln (und merke, dass es tolle Möglichkeiten gibt, für meine Kunden da zu sein, ohne ständig in irgendeinem Verkehrsmittel zu sitzen!) Manche Unternehmen müssen stark reduzieren, andere versinken in Aufträgen. Es gibt vermutlich niemanden, der derzeit NICHT mit Veränderung konfrontiert ist. Was hat es also mit Hirn, Herz und Ei auf sich …

Das Hirn brauchen wir, um zu verstehen. Es sammelt wie ein Archäologe Daten und Fakten zur aktuellen Situation, holt Meinungen und Sichtweisen von Kollegen und Freunden ein, macht Recherchen, SWOT-Analysen oder abenteuerliche Excel-Tabellen, um sich einen Überblick zu verschaffen und setzt anschließend smarte Ziele. All das sind sinnvolle Aktivitäten am Beginn einer Veränderung und befriedigt unseren Kopf, der übrigens im Management vieler Organisationen außerordentlich ausgeprägt ist.

Das Herz hingegen hilft uns, Blockaden aufzuspüren und Begeisterung für die neuen Ziele zu entwickeln. Ups, jetzt geht es um Emotionen … das ist doch das, worüber man in Organisationen nicht spricht, oder? In Wahrheit sind Emotionen der Motor, der die Kraft der Menschen auf die Straße des Veränderung bringt. Wenn ein Vorstand sagt, dass die Abläufe effizienter werden müssen, fragt das Herz der Belegschaft: Huch, werde ich jetzt gekündigt? Solange solche Fragen im Raum stehen und das Herz keine Antwort bekommt, bleibt es schwierig, den ambitionierten Plänen des Vorstands-Hirns zu folgen. Daher lohnt es sich, zuerst den vorhandenen Ängsten ins Auge zu sehen und dann, herauszufinden, was jeden einzelnen in der Organisation an der geplanten Veränderung begeistern könnte.

Und das Ei? Tja, um tatsächlich etwas zu verändern, braucht man einfach die sprichwörtlichen Eier in der Hose, egal ob Mann oder Frau. Man muss aufstehen, zupacken und sich für einen neuen Weg entscheiden! Und sich für etwas zu entscheiden, heißt immer auch, etwas anderes wegzulassen. Autsch, das tut weh! Wenn ich den Mann fürs Leben kennenlernen möchte, muss ich möglicherweise den Passt-schon-Mann ziehen lassen (die sitzen nämlich nicht gerne gemeinsam am Frühstückstisch). Wenn ich mich für die neue Home-Office-Strategie entscheide, kann ich wohl nicht erwarten, dass die MitarbeiterInnen immer vor Ort verfügbar sind … usw.

Zum Abschluss noch ein kleiner Einblick in meine eigene “Küche”:

Hirn: Mira, ich hab jetzt gründlich recherchiert und festgestellt, dass viele Mitbewerber bereits online Workshops anbieten – da musst du besser werden!

Herz: Moment! Ich möchte meine Kunden ja gerne auch jetzt unterstützen, doch bin ich dann auch wirksam? So ganz ohne persönlichen Kontakt? Ich weiß nicht …

Ei: Ok, ihr habt ja beide Recht. Jetzt schauen wir mal, welche Tools für Mira und ihre Kunden wirklich taugen, wählen die einfachen aus, lassen das ganze komplizierte Online-Geschäft weg und dann ziehen wir es durch …

Einen herzlichen Gruß zu euch allen und viel Spaß beim “Kochen”!

Mira

 

 

 

#2 Time of Change = Time of Chance

Ich bin fasziniert. Wir erleben derzeit den größten Einschnitt in die persönliche Handlungsfreiheit und dennoch beobachte ich eine neue Qualität des Zusammenlebens. Bei einem dringenden Arztbesuch begann ich auf der Gasse mit einer wildfremden Person zu plaudern, die sichtlich angestrengte Arzt-Assistentin schüttete mir unmittelbar danach ihr Herz aus und abends bekomme ich Anrufe und Nachrichten von Menschen, die ich schon lange nicht gesehen habe. Luxus und Mode ist mir derzeit unwichtig, ich habe nicht einmal Lust auf online-shopping oder besondere Lebensmittel – stattdessen freue ich mich über österreichische Lieder im Radio (danke Ö3!), kaufe Äpfel aus der Steiermark und trinke online Kaffee mit meinen Kollegen.

Das gemeinsame Schicksal verbindet, lässt uns aufeinander zugehen und reduziert aufs Wesentliche. Interessanterweise sind das alles Qualitäten, die man in Change Projekten gut brauchen kann. Oft werden wir dorthin gerufen, wo es Barrieren zwischen Hierarchie-Ebenen oder Abteilungen gibt – und was tun wir dann? Wir „zwingen“ jene Menschen, die aus diesen unterschiedlichen Bereichen sind, zu wiederholten Auszeiten (genannt Workshops) und bilden eine künstliche Schicksalsgemeinschaft auf Zeit. Dann sitzt die schicke Dame aus der Marketing-Abteilung neben dem g’standenen Meister aus der Produktion und dem Controller aus dem Top-Management und sie „müssen“ sich gemeinsam mit einem bestimmten Thema beschäftigen bzw. ihr kollektives Wissen dazu in eine Schale werfen … und plötzlich das Wunder: Nähe entsteht, Emotionen, durchaus auch Widerstand, doch am Ende auch immer ein außergewöhnliches Ergebnis, das vorher niemand für möglich gehalten hätte!

Vielleicht ist diese ganze Situation ja für uns alle auch eine Chance. Dieses Ambiente, in denen die Menschen wertfrei aufeinander zugehen, liegt mir jedenfalls sehr. Denn – um auf meine Frage nach dem persönlichen ICH aus dem letzten Blog zurückzukommen: Ich liebe es und ich übe jeden Tag, andere Menschen so sein zu lassen wie sie sind. Ich mag es beruflich und privat, Leute zusammenzubringen, neue Blickwinkel aufzumachen, die individuelle Größe der Menschen sichtbar werden zu lassen und ihnen zu vermitteln, dass gemeinsam immer mehr geht als allein. Das erfüllt mich und ist aus meiner Sicht auch der Schlüssel für den nachhaltigen Erfolg in Unternehmen und vielleicht auch in der Gesellschaft.

Meine heutige Empfehlung ist daher: Nutzen wir die aktuelle Zeit für eine neue Qualität der Zusammenarbeit und Kommunikation! Echtes Zuhören, neugierig sein auf den Gesprächspartner und freundliche Formulierung der persönlichen Anliegen sind in den online talks ohnehin noch wichtiger als sonst! Und ich weiß: es wird immer Menschen geben, die diese Einstellung nicht teilen können und kein konstruktives Gespräch führen können (ich hatte unlängst so ein Telefonat… oh Gott, alle meine Kommunikationskünste haben versagt!). Doch es ist eine gute Zeit, um diese freundliche Haltung zu üben!

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Überraschungen dabei!

Herzliche Grüße und xund bleiben!

Mira

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

#1 Ausgebremst & fokussiert

Ich bin ein Mensch mit großer Energie und Begeisterungsfähigkeit, liebe meine Arbeit, bin kreativ und bewege mich gerne. Und ich kenne viele Menschen in der Wirtschaft, die das teilen – Führungskräfte wollen in der Regel etwas bewegen und wirksam sein. Doch jetzt: Corona! Zuhause bleiben! Zurückschalten!

OK. Ich verstehe die Maßnahmen, fühle mit allen Betroffenen und bin jenen dankbar, die das System aufrechterhalten. Doch abgesehen davon fühle ich mich schrecklich ausgebremst und weiß nicht so recht, wohin mit meinen unternehmerischen Ideen und meiner Energie, die oft eine ganze Schar von Mitarbeitern in einer Organisation in Bewegung bringt. Fürs erste tauge ich als Hilfslehrerin, Aufgaben-Managerin und Köchin für meine Söhne in der Home School sowie als Sauberfrau, Wohndesignerin und Aus-dem-Fenster-Schauerin – doch mittelfristig reicht mir das nicht.

Logische Konsequenz – ich aktiviere endlich den Blog meiner Website. Damit möchte ich mich mit meiner Change Kompetenz und fast fünfzig Jahren Lebenserfahrung in dieser absoluten Ausnahmesituation möglichst vielen Menschen nützlich machen. Und hier ist mein erster Tipp: Zunächst verdauen Sie den Schock und akzeptieren Sie den Widerstand gegen diese Situation so gut es geht. Seien Sie geduldig mit sich selbst und jenen, die Sie nun tagtäglich 24h um dich hast und sorgen Sie für sich mit gutem Essen, etwas Sport und guten Gedanken.

Und dann rate ich mir selbst und Ihnen das gleiche, was ich meinen Auftraggebern zu Beginn eines Veränderungsprojektes empfehle: Machen wir eine Standortbestimmung mit Fragen wie:
Wo stehe ich in meinem Leben oder in meiner Karriere?
Wofür möchte ich diesen erzwungenen Rückzug nutzen?
Mit wem möchte ich mich jetzt vernetzen?
Welche Impulse habe ich, wenn ich ganz bei mir bin?

Auf die Intuition zu vertrauen ist aus meiner Sicht etwas sträflich Vernachlässigtes in unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Die meisten Entscheidungen müssen mit Analysen oder mindestens mit Zahlen, Daten und Fakten bewiesen werden und der Hausverstand oder das Bauchgefühl werden links liegen gelassen. Der Kopf der Mitarbeiter ist mit solchen Entscheidungen dann zufrieden, doch das Herz und die echte Motivation der Menschen wird meist durch sehr spontane und emotionale Entscheidungen gewonnen.

So ist es auch bei uns. Wenn wir wieder lernen, uns zuzuhören, werden wir auch in Krisensituationen rascher und sicherer einer Lösung näher kommen. Also, Sie sind ohnehin gezwungen, zu Hause und damit “in Ihrer Nähe” zu sein. Beginnen Sie, zuzuhören: Worum geht es in Ihrem Teil dieser globalen Veränderung? Wer sind Sie, wenn Sie ganz bei sich sind ohne dem ganzen Alltagswahnsinn?

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Ehrlichkeit bei Ihrer Standortbestimmung und freue mich über Kommentare und Nachrichten dazu. In ein paar Tagen melde ich mich wieder mit dem nächsten Blog und vielleicht auch mit der einen oder anderen Antwort auf die Fragen …

Herzlichen Gruß aus einer Wiener Wohnung in die Welt von

Mira